Das Manuskript dieses Romans habe ich keineswegs mit Bedenken und Skepsis in die Hand genommen. Nein, es waren Argwohn, Misstrauen und eine tief sitzende Abneigung gegenüber dieser Thematik. Da streckt der von den Preußen aufgestellte Hermann der Cherusker sein Schwert in stolzer Siegerpose in den westfälischen Himmel. Immer wieder wurde im Laufe der Geschichte diese Germanentümelei noch einmal aufgewärmt – und als Zugabe gab es dann auch noch die passenden nationalen Untertöne. Nein, danke! Diese militaristisch-nationalistische Welt ist mir total fremd – und sie soll es auch bleiben!
Aber da Männer überhaupt nicht neugierig sind, habe ich dann dieses Manuskript doch einmal durchgeblättert.
Sehr schnell werden Sie als Leser bemerken, dass hier bei der Erzählung rund um die Varusschlacht ein völlig anderes Programm abläuft. Beachten Sie bitte den Untertitel! Es ist nicht ‚Die‘, es ist ‚Eine‘ Geschichte dieser Ereignisse. Aus den Statuen, den starren historischen Figuren werden in diesem Roman lebendige Menschen. Die Erzählung gestaltet Lebenslinien, der militärische Kampf ist nur ein nebensächlicher Aspekt.
Und dann drückt sich dieses Buch – den Göttern sei Dank – vor dieser endlosen Debatte, wo diese Schlacht nun tatsächlich stattgefunden hat. Welches westfälische Dorf hat sich noch nicht als Standort beworben? Eine sicher interessante Frage, aber ist das „Wo?“ tatsächlich wichtiger als alle die anderen Fragen nach den Hintergründen, den Motiven und den Folgen dieses Konfliktes?
Man merkt diesem Roman an, dass sich der Autor intensiv mit dieser Epoche der Geschichte beschäftigt hat. Aber es ist und bleibt eine Erzählung, ein Geschichtenbuch, kein Geschichtsbuch. Es gibt wahrhaftig keinen Mangel an wissenschaftlicher Literatur zu diesem Thema. Aber hier wird diese Geschichte zu einem emotionalen Erlebnis voller Dramatik.
Es sind individuelle Schicksale, die in die Wirren dieser Konflikte hineingezogen werden. Daraus entsteht letztlich ein durchaus politisches Buch. Das Denken und Handeln der Germanen in Sippen und Stämmen, der schwierige Einigungsprozess gegen einen gemeinsamen Feind, eine Einheit, die aber wieder zerbricht. Seltsam, dass die erfundene Wahrheit der Literatur diese Zusammenhänge deutlicher werden lässt als alle Studien von Historikern.
Meine Neugier wurde belohnt. Aus dieser in heroischer Pose erstarrten Statue des Arminius wird hier ein Mensch, und alle anderen Figuren dieser Epoche geraten ebenso in Bewegung. Sie werden zu Tätern, Mitläufern, Intriganten, Kämpfern und zu Opfern dieses Konfliktes.
Sie sind jetzt auch neugierig geworden? Dann erteilen wir jetzt ganz schnell dem Autor das Wort.
Johannes Dohler
Edition Die Nische